Städtereisen liegen voll im Trend – auch bei Rollstuhlfahrern?

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen… Voller Neid lauschen die Daheimgebliebenen den begeisterten Schilderungen über eine spannenden Städtereise.

Der Trend zur Städtereise wächst stetig und dafür gibt es viele Gründe: Gern möchte man neue Eindrücke sammeln, Sehenswürdigkeiten bestaunen oder einfach nur für einige Tage dem Alltag entfliehen. Städte versuchen, Besuchermassen mit einem attraktiven Kulturprogramm anzulocken. Seien es nun traditionelle Events wie der Hamburger Hafengeburtstag, die Kieler Woche, das Münchener Oktoberfest oder kulturelle Höhepunkte wie z. B. die Tutenchamun-Ausstellung.

(c) Henrik Zawischa. Granada 2006

(c) Henrik Zawischa. Granada 2006

Die Bemühungen vieler Städte, ihre Events zu vermarkten, zeigen Wirkung. Stolz weisen Touristenbüros auf stetig wachsende Übernachtungszahlen hin. Laut Wikipedia gehörten im Jahr 2012 Städte wie London, Paris und Berlin zu den wichtigsten europäischen Zielen, gefolgt von Metropolen wie Rom, Hamburg, Madrid oder Wien.

Reisen in eine andere Stadt sind leicht zu organisieren. Flüge sind für relativ wenig Geld zu bekommen, durch die Einführung des Euro fällt das lästige Umrechnen und Umtauschen weg. Außerdem ist fast jedes europäische Ziel innerhalb von 1,5-2 Flugstunden erreichbar.

Anders ist es, wenn der Besucher in seiner Mobilität eingeschränkt ist oder einen Rollstuhl nutzt. Für ihn oder sie sind die Vorbereitungen ungleich aufwendiger.

Der Rollstuhl muss für den Flug angemeldet werden. Im Voraus sind viele Fragen zu klären. Kann der Fluggast noch wenige Schritte gehen? Nutzt er Akkus, die den Rolli antreiben? Braucht er einen Bordrollstuhl? Zum Glück sind die meisten Fluglinien auf Gäste mit Rollstuhl eingestellt. Ist man angemeldet, ist der Flug kein Problem. Auch Reisen mit der Bahn sind möglich. Will man allerdings einen der wenigen Rollstuhlplätze im Zug nutzen, sollte man ihn früh genug reservieren. Braucht man Hilfe beim Ein- und Aussteigen, steht der Mobilitätsservice der Bahn zur Verfügung. Der muss allerdings früh genug vorher bestellen werden. Spontanes Verreisen ist kaum möglich.

Auch die Suche nach einem geeigneten Hotelzimmer kann sich als schwierig erweisen. Nur selten findet man über die üblichen Buchungsportale im Internet Zimmer, die den eigenen Anforderungen entsprechen. Ist ein Hotel stufenlos erreichbar, gibt es rollstuhlgerechte Zimmer oder kann man alle Möglichkeiten nutzen, die das Hotel anbietet.

Weiter geht es mit den Mobilitätsangeboten in der Stadt. Sind Bus und Bahn überall und für alle nutzbar? Sind Museen oder Sehenswürdigkeiten mit einem Rollstuhl erreichbar?. Gibt es zugängliche Restaurants, Kneipen und Cafés, in denen man sich gern aufhalten mag? Sind Theater erreichbar und zugänglich? Wenn ja, welcher Weg zum Platz ist der Richtige?

Der Trend zu individuellen Städtereisen ist ungebrochen, egal ob man sich auf eigenen Füßen oder den Rädern eines Rollstuhls bewegt. Menschen wollen einen einzigartigen und interessanten Platz besuchen, neue Eindrücke sammeln. Eine Städtereise will vorbereitet sein. Einige, aber leider viel zu wenige, Städte haben erkannt, dass auch Rollstuhlfahrer zu ihren Besuchern zählen. Wünschenswert wäre, wenn örtliche Tourismusbüros auch Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, unterstützen und notwendige und aktuelle Information zur Barrierefreiheit zur Verfügung stellen.

(c) Henrik Zawischa, Granada 2006

(c) Henrik Zawischa, Granada 2006

Dann stünde unvergesslichen Erlebnissen nichts mehr im Wege.

 

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