Meine persönlichen Erfahrungen mit Barrierefreiheit auf Reisen

Am liebsten verreisen mein Mann und ich an Ziele, die tolle Photomotive bieten und die wir noch nicht kennen. Viel Kram muss mit auf Reisen gehen (Rollator, Rollstuhl, Handbike, Photoausrüstung), So wählen wir Ziele in Europa, die mit dem PKW erreichbar sind. All inclusive Reisen mit festgelegtem Ausflugs- und Bespassungs-Programm stehen auf meiner Wunschliste ganz weit unten. Besser gefallen mir Individualreisen, die wir nach unseren Wünschen gestalten können. Wichtig ist, dass die Unterkunft für mich barrierefrei ist und es in der Umgebung attraktive und erreichbare Ausflugsziele gibt.

Gibt es Städte oder Länder mit den besten Rollstuhlbedingungen für mich?

Das absolut barrierefreie Ziel habe ich noch nicht gefunden und bin nicht sicher, ob mir das gefallen würde. Denke ich an unsere letzten Urlaube, war die Reise in den Peak District in Großbritannien barrierefreier als die Reise in die Bretagne (Frankreich). Reisen innerhalb Deutschlands sind meistens noch weniger barrierefrei.

Die Vorbereitungen laufen bei allen Reisen ähnlich ab:

  1. Barrierefreie Ferienwohnung suchen (mit stufenlosem Zugang, bodengleicher Dusche mit Haltegriffen und Duschsitz, Toilette mit Haltegriffen)
  2. Wie weit sind zugängliche Einkaufsmöglichkeiten entfernt?
  3. Gibt es zugängliche Restaurants in der Umgebung?
  4. Welche zugänglichen Ausflugsziele gibt es in der Umgebung, hätten wir Lust, sie zu erkunden?
  5. Gibt es auch öffentliche RollstuhlWCs in der Umgebung?

Um die Punkte 1, 2 und 3 zu lösen, checke ich die Angebote und Informationen von regionalen Tourismusbüros. Finde ich dort Ferienwohnungen die passen könnten, schreibe ich den Vermieter direkt an und frage nach Details.

Um Antworten auf 4 und 5 zu bekommen, checke ich zunächst www.wheelmap.org. Auf dieser Webseite kann jeder Nutzer weltweit und kostenlos die Rollstuhlgerechtigkeit von Orten finden oder markieren. Für die Bretagne habe ich dort leider nichts gefunden. Auch eine Anfrage bei einer französischen Handicap-Seite auf Twitter war nicht erfolgreich.

Für den Peak District fand ich sehr viel mehr nützliche Informationen. Dort machen anscheinend auch viele ältere Menschen Urlaub. Das Angebot ist sehr viel besser.

Die Planung der Fahrt in die Bretagne (1500 km) übernahm mein Mann. Wir teilten die Reise in 3 Etappen mit 2 Zwischenübernachtungen in günstigen Hotels, die rollstuhlgerechte Zimmer anbieten, auf.

Die Reisevorbereitungen für die Bretagne sehr zeitintensiv waren.

Bei den Vorbereitungen für die Reise in den Peak District sind wir ähnlich vorgegangen. Wir fuhren am ersten Tag bis Rotterdam, übernachteten auf einer Fähre von Rotterdam nach Kingston-upon-Hull und fuhren anschließend in den Peak District. Die Informationen im Netz für Großbritannien sind besser als für die Bretagme, von daher waren die Vorbereitungen weniger zeitintensiv.

Positive Überraschungen gab es in beiden Ländern. Sowohl in Frankreich als auch in Großbritannien ist bei den öffentlichen WCs fast immer ein RolliWC dabei. Die entsprechen zwar nicht der deutschen Norm, sind aber für mich erreichbar.

Toll finde ich die Rollstuhlparkplätze in Großbritannien. Rechts und links neben einem Rolliparkplatz sind ca. 80 cm breite, gelb markierte Flächen, die freigehalten werden müssen. So bleibt genug Platz zum ein- und aussteigen.

Spaß gemacht haben in Großbritannien auch die Wanderungen. Einige Bahnstrecken, die aufgegeben wurden und heute zu barrierefreien Wanderwegen umgebaut sind. https://www.peakdistrict.gov.uk/visiting/trails/monsaltrail

Wo sind die schlechtesten Rollstuhlbedingungen?

In Deutschland sind die Bedingungen sehr viel schlechter. Es ist schwierig, eine für mich geeignete Ferienwohnung zu finden, da es keinen einheitlichen Definitionen von „Barrierefreiheit“ gibt. Manche Vermieter beschreiben eine Wohnung schon als barrierefrei, wenn man stufenlos hereinkommt. Auch die Suche nach Ausflugszielen, Restaurants und öffentlichen Rollstuhltoiletten ist oft wenig erfolgreich. Ich fühle mich oft ausgeschlossen und gestresst, weil Barrieren den Weg versperren, die oft leicht abzubauen wären.

Fazit

Gut ist es für mich dort, wo es verlässliche und aktuelle Informationen über barrierefreie Unterkünfte, erreichbare Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Unternehmungangebote in der Umgebung bekommt. Hilfreich ist auch eine Karte, in der RolliWCs in der Umgebung angezeigt werden. Sind keine geeigneten Informationen auffindbar, würde ich die Region gar nicht besuchen wollen. Das ist sehr schade, weil ich Vieles in Deutschland kennenlernen möchte.

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© Birgit Brink, Januar 2019

3 Gedanken zu „Meine persönlichen Erfahrungen mit Barrierefreiheit auf Reisen“

  1. Ich finde es toll, dass du so offen mit deiner eigenen Erfahrung über die Barrierefreiheit auf Reisen berichtest. Auch mein Sohn leidet unter einer körperlichen Erkrankung und ist fast tagtäglich auf Krankenfahrten angewiesen, da ich ihn nicht transportieren kann. Es ist gut zu wissen, dass es barrierefreie Ferienwohnungen gibt.

  2. Hallo Yelena,
    die Einschränkungen begleiten mich in meinem Leben.
    Es ist besser, Lösungen zu finden, um einen Urlaub (den ich brauche) genießen zu können. Besonders hilfreich ist immer der konstruktive Austausch mit anderen Menschen

  3. Zwar sitze ich selbst nicht im Rollstuhl, habe mir aber angewöhnt im Alltag hin und wieder auf Barrierefreiheit zu achten. Ich finde es unglaublich, dass manche Vermieter eine Wohnung schon als barrierefrei beschreiben, wenn man stufenlos hereinkommt. Unter den Umständen wird es ja dann noch schwerer ein entsprechend ausgerüstetes Zimmer zu buchen.

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