Chance vertan – Rollstuhlfahrer für eine Feldstudie gesucht

Am Wochenende suchte der HVV (Hamburger Verkehrsverbund) für eine Feldstudie rollstuhlfahrende Probanden. Experten wollen herausfinden, „wo es Probleme beim Befahren/Betreten und Verlassen des ÖPNVs (S-Bahn, U-Bahn, Fähre) gibt“.

Tolle Idee, Leute zu fragen, die betroffen sind, aber….

Nicht gut ist die Gestaltung der Studie. Gern hätte ich als Probandin teilgenommen. Bin ich doch Rollstuhlfahrerin und nutze den HVV, wenn kein Autofahrer zur Verfügung steht.

Ein Treffpunkt in meiner Nähe war die S-Bahnstation Landungsbrücken. Und da waren sie, meine Probleme, den HVV allein mit Rollstuhl und Handbike dran zu nutzen.

  • Ich komme nicht an den Knopf, um den Aufzug an der U-Bahn-Station Luttherothstraße zu holen. In den Aufzug passt alles hinein.
  • Auch den Schalter, um die Tür der Bahn zu öffnen, erreiche ich nicht..
  • In die Bahn komme ich, etwas eng wird es, wenn die lästigen Bügel im Weg sind.
  • Das gleiche Spiel beim Aus- und Umsteigen am Schlump. Alle Schalter sind unerreichbar.
  • Die U-Bahn-Station Landungsbrücken ist erst gar nicht stufenlos zu erreichen. Also sie gleich aus dem Plan streichen und stattdessen zum Baumwall fahren.
  • Vom Baumwall zu den Landungsbrücken rollen (800m)
  • Auf eine HADAG-Fähre komme ich, aber nur wenn jemand hilft, das Gefälle runter zum Anleger zu erreichen.
  • Für jede Station muss ich checken, ob die Aufzüge tatsächlich funktionieren.

Ich frage mich, was der HVV mit dieser Feldstudie herausfinden will, wenn ich als Betroffene an der Studie gar nicht teilnehmen kann. Der Treffpunkt Landungsbrücken (ein lohnendes Ausflugsziel für Touristen) ist nur über Umwege und mit unzähligen Hindernissen auf dem Weg zu erreichen.

Blick auf die Skyline von Hamburg
Blick auf die Skyline von Hamburg
(c) Birgit Brink

Da frage ich mich, ob als Probanden nur fitte Rollstuhlfahrer in Frage kommen?

Ich hätte gern mitgemacht, aber der Weg, der für „normale“ Fußgänger 16 Minuten dauert, ist für mich nur mit Hilfe und über Umwege zu erreichen. Schade!

Aber wer hat nun die Chance vertan? Ich, weil ich mal wieder meine Stimme nicht einbringe, obwohl ich als Rollifahrerin gefragt bin? Oder der HVV, der mit seinen Experten das Setting der Feldstudie so gewählt hat, dass eine Beteiligung fast nicht möglich ist?

Ungerecht finde ich, wenn der HVV sich später rühmen wird, Rollstuhlfahrer beteiligt zu haben.

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