Museum für Völkerkunde in Hamburg – nicht für Rollstuhlfahrer!

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes.

„Barrierefrei“ bedeutet, dass jeder Bürger alles im Lebensraum, der barrierefrei gestaltet wurde, betreten, befahren und selbständig, unabhängig und weitgehend ohne fremde Hilfe sicher benutzen kann.

Im Museum für Völkerkunde in Hamburg klaffen Theorie und Praxis weit auseinander. Als Fussgänger hat man kein Problem hereinzukommen. Man steigt die Stufen hinauf und tritt ein. Für Rollstuhlfahrer sieht das ganz anders aus. Ganz versteckt und unscheinbar gibt es einen Seiteneingang an der Binderstraße, versehen mit dem Hinweis, man solle gefälligst den Haupteingang benutzen. Allerdings gibt es an dieser Tür eine Klingel mit einem Rollstuhlsymbol. Nachdem ich auf den Knopf gedrückt hatte, sagte mir eine Stimme, zur Zeit könne niemand zur Tür kommen, da sie (die Person, zu der die Stimme gehörte) allein an der Kasse sitze. Da ich aber eine Verabredung hatte, mußte ich darauf bestehen, herein gelassen zu werden. Mit Widerwillen sagte man einem Menschen aus dem Restaurant Okzident Bescheid, mich an der Tür abzuholen. Durch fünf Türen (alle natürlich schwer und verschlossen) ging es dann zum Aufzug. Der Rückweg war ähnlich und wieder riet man mir, den Haupteingang zu nutzen. Toller Scherz.

Den Besuch im Museum hatte ich gründlich vorbereitet, da ich ahnte, es könne schwierig werden. Hinweise zur Zugänglichkeit findet man auf der Webseite des Museums gar nicht. Etwas mehr Informationen bekommt man, wenn man im Museum anruft und die Örtlichkeiten vorher inspiziert bzw. inspizieren lässt.

Mein Fazit: Theoretisch käme man auch als Rollstuhlfahrer in dieses tolle Gebäude von Fritz Schumacher. Praktisch ist es unmöglich, eigenständig und selbstbestimmt einzutreten.

„Es mag verständlich sein, dass der mit der Denkmalpflege verbundene Gedanke des Erhalts originaler Substanz und Anmutung bestimmte Restriktionen mit sich bringt. Diese sollten aber nicht dazu führen, dass behinderte Menschen in ihrer Lebensgestaltung so massiv eingeschränkt werden.“ (www.barrierefrei.de)

Nicht nur, dass das Museum nicht barrierefrei ist. Nach einem Telefonat, hat man mir versichert, dass ich alle Bereiche erreichen könne. Vorausgesetzt, ich käme ins Museum hinein. Jede einzelne Treppe, die man überwinden muss, um überhaupt in die Ausstellungsbereiche oder zu den Toiletten zu kommen, muss die Dame übersehen haben.

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