Behindertenrechtskonvention – so fern und doch ganz nah

Warum braucht man die UN-Behindertenrechtskonvention, die die Bundesregierung am 26. März 2009 ratifiziert hat? Gilt das Grundgesetz nicht für alle Bürgerinnen und Bürger, die hier leben? Anscheinend gelten für Menschen mit Behinderungen andere Rechte. Wie sonst lässt sich erklären, warum sie in vielen Bereichen benachteiligt werden:

Kindern mit Behinderungen wird der Zugang zu Regelschulen verwehrt. Eltern von nichtbehinderten Kindern befürchten, ihre Sprösslinge würden nicht genug lernen. Rollstuhlkinder kommen nicht in die Klassenzimmer, weil überall Stufen und Hindernisse den Weg versperren. Ausbildungs- und Arbeitsplätze stehen nur in geringer Zahl zur Verfügung.
Offensichtlich gehörten für die Väter des Grundgesetzes und einen großen Teil der Bevölkerung Menschen mit Behinderungen nicht zur Gesellschaft wie alle anderen auch.

Martin Volkenrath, SPD-Ratsmitglied im Stadtbezirk Düsseldorf-Flingern: „Auch in den 60er/70er Jahren des vorangehenden Jahrhunderts war es eher die Ausnahme, Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft zu integrieren. Man hat Behinderte separiert, im öffentlichen Bild traten sie nicht auf.“

Solche Missstände gibt es auf der ganzen Welt. Um sie aus dem Weg zu räumen, verabschiedeten die Vereinten Nationen die Behindertenrechtskonvention. Durch sie werden die Rechte von Menschen mit Behinderungen erstmals umfassend definiert.

Die Umsetzung der Konvention stellt die Bundesregierung vor große Herausforderungen. Im Juni 2011 hat sie einen nationalen Aktionsplan verabschiedet. Die Länder und Kommunen sind mit mehr oder weniger Engagement dabei, lokale Aktionspläne zu entwickeln. Wenn dazu das Engagement von Personen wie Martin Volkenrath kommt, können Benachteiligungen tatsächlich abgebaut werden.

Martin Volkenraths großes Anliegen ist, einen barrierefreien öffentlichen Personennahverkehr zu schaffen. Treppen oder hohe Einstiege sind für Rollstuhlfahrer ein riesiges Hindernis, ohne Leitstreifen oder akustische Signale können sich Blinde nicht orientieren. Sie sind von der Teilhabe am Leben ausgeschlossen. Volkenraths Ziel ist klar. Sein Beitrag zur Umsetzung eines Teils der UN-BRK ist, dass die Düsseldorfer U- und S-Bahn barrierefrei werden muss.
Martin Volkenrath: „Die Lösungen gibt es, sie müssen nur umgesetzt werden … Ich will einen barrierefreien ÖPNV in Düsseldorf sehr zeitnah realisieren.“

Der Einsatz lohnt sich. Es bereitet Volkenrath große Freude, wenn er für sein Engagement gelobt wird und Ergebnisse sichtbar sind. Karin Wolters wohnt in Düsseldorf-Flingern. Die Rollstuhlfahrerin ist begeistert von seinem Engagement.

Karin Wolters: „Bald gibt es im Umkreis von 500 Metern um meine Wohnung acht verschiedene barrierefreie Haltestellen von U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bus, die ich nutzen kann.“
Martin Volkenrath: „Wir müssen alle Menschen in den normalen Alltag integrieren, dadurch ergeben sich Ansätze, die für alle ein Gewinn sind. … Der Kampf ist, Finanzierungen zu bekommen, mit Betroffenen nach Lösungen zu suchen und viele Leute zu überzeugen … Die Belohnung ist, dass alle was davon haben …der Rollstuhlfahrer, die Mama mit dem Kinderwagen, der Opa mit dem Rollator und der Geschäftsmann mit dem schweren Koffer. Auch die Bahnbetreiber profitieren. Wenn alle schnell ein- und aussteigen können, haben die Züge weniger Verspätungen.“
Sein Fazit: „Heute sind wir auf einem guten Weg etwas zu verändern, allerdings geht es mir oft zu langsam.“

Autorin: Birgit Brink

Ein Gedanke zu „Behindertenrechtskonvention – so fern und doch ganz nah

  1. In Hamburg scheint die Umsetzung der BRK überhaupt nicht voran zu kommen. Die Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen hat einen vorläufigen Aktionsplan (http://www.hamburg.de/contentblob/3537658/data/landesaktionsplan-un-konvention-behinderung.pdf) ins Netz gestellt. Dort sind die Behörden genannt, die für die Umsetzung der einzelnen Themen zuständig sein sollten. Auf Nachfragen, wer z. B. Ansprechperson in der BSU ist, bekomme ich die unbefriedigende Antwort des Büros der Senatskoordinatorin:“Leider kann ich Ihnen keinen Namen nennen. Ich weiß nicht, wer Ansprechperson in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ist.“

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