Kreatives Nachdenken

Kurzarbeit, „Stay at home“ und Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie bedeuten für die Einen Stillstand, für die Anderen Nachdenken über die Zukunft und wie es weitergehen kann. Ilja nutzte die Pause, um zu überlegen, wie es mit dem Projekt Rampenbau der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit, in dem sie seit Mai 2019 als Koordinatorin aktiv ist, weitergehen kann, wenn es weitergeht.

2019 entschied sich die AG Barrierefreiheit in Barmbek Süd das Projekt Rampenbau umzusetzen. Einige Teilnehmer der AG hatten ähnliche Projekte in Bielefeld und Köln gesehen und waren begeistert. Sie wollten so ein Projekt auch in Barmbek aufziehen. Ilja wurde die Koordinatorin, ca. 12 bis 15 Menschen, die ihre jeweiligen Institutionen vertreten, wollten mitmachen.

Gegründet wurde AG Barrierefreiheit in Barmbek Süd 2016. Burkhard Leber war an der Gründung beteiligt. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus sozialen Trägern im Stadtteil („Socialnet“) wollte intensiv zum Thema Inklusion im Stadtteil arbeiten. Die Auszeichnung „Wegbereiter der Inklusion“ durch den Senat der Stadt Hamburg 2017 zeigte allen Beteiligten, wie fruchtbar dieser Ansatz ist.

Auf meine Frage nach der persönlichen Motivation für ihr Engagement antwortete die Fußgängerin Ilja, die als Flugbegleiterin arbeitet: „Ich gehe immer davon aus, dass ich jederzeit in die Situation meines Gegenübers kommen kann. Ich lerne unglaublich viel darüber, was Rollstuhlgerechtigkeit und Barrierefreiheit bedeuten und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Menschen zu erreichen und sie dafür zu interessieren und Rampen aus Legosteinen konkret zu bauen, anzubringen und zu sehen, wie nutzbringend sie sind, ist ein toller Job. Es macht Spaß Bewusstsein für die Thematik zu schaffen und dabei auch die kreativen Kräfte von Kindern und jungen Erwachsenen zu aktivieren.“

Simon und Jevrem im Lego Laden
(c) I. Letzig-Michalski
Simon und Jevrem im Lego Laden.

Natürlich mussten in der Pandemie auch die Aktivitäten der AG ruhen. Ilja verbrachte viel Zeit mit der Recherche im Internet. Sie stieß dabei auf meinen Blog https://blog.behindernisse.de,  fühlte sich von vielen Aspekten und Gedanken inspiriert und schrieb mir kurzerhand eine E-Mail.  Zum Projekt erklärte sie: „Menschen bauen gemeinsam aus gespendetem Legosteinen Rampen für Geschäfte und Institutionen. (https://youtu.be/1TYzukbEBo8). Ziel ist, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, interessante Orte und spannende Veranstaltungen im Stadtteil besuchen zu können. Die bunten Rampen sollen helfen, Barrieren zu überwinden.“ Begeistert erzählte sie mir von der großzügigen Legospende (300 kg) eines Ehepaares aus Eidelstedt.

bunte Legorampen
(c) I. Letzig-Michalski

Nach einem kurzen Telefonat verabredeten wir uns zu einer Tasse Kaffee auf Abstand. Zum Treffen kam sie mit einer Rampe aus vielen bunten Legosteinen.

Von der Idee, Rampen aus Legosteinen zu bauen, hatte ich auch schon im letzten Jahr gelesen. Im Oktober 2019 berichteten verschiedene Medien über Rita Ebel aus Hanau. Die dynamische und engagierte Rollstuhlfahrerin schaffte es in die Schlagzeilen mit bunten Lego-Rampen, die sie gemeinsam mit ihrem Mann konstruiert hatte. Auf Anfrage verschickt sie Bauanleitungen, kleineren Geschäften in Hanau, die nichts zahlen können, stellt sie diese auch kostenlos zur Verfügung.

Als ich davon las dachte ich, das wäre auch eine tolle Aktion für Hamburg. Wusste aber, dass ich so eine Idee niemals allein in Eimsbüttel umsetzen könnte. Gefreut habe ich mich über die Mail von Ilja. Die Barmbeker Arbeitsgemeinschaft für Barrierefreiheit hat aus der Idee, bunte Rampen aus Legosteinen zu bauen eine nachahmenswerte Projektidee gemacht, die von der Aktion Mensch finanziell gefördert wird.

Die AG verfolgt mehrere Ziele: In der Gemeinschaft werden Rampen gebaut. Dafür sammeln Leute Lego-Steine, nehmen gern Spenden an und bauen daraus Rampen nach Rita Ebels Bauanleitung vor Geschäften, die die Idee unterstützen. So kann zum Beispiel der Rolli-Fahrer seine Brötchen beim Bäcker selbst kaufen oder die Frau mit dem Rollator sich beim Friseur um die Ecke die Haare schneiden lassen. Jede/r ist eingeladen mitzubauen.

Jevrem und Simon
Jevrem und Simon sitzen vor einem Laden, (c) I. Letzig-Michalski

Lieblingsorte erreichbar machen

Eimsbüttel ist ein quirliger Stadtteil von Hamburg mit Bebauung aus der Gründerzeit, der Nachkriegszeit und modernen Neubauten. Mit meinem Rollstuhl komme ich in einige Geschäfte nicht hinein, oft sind nur kleine Stufen ein unüberwindbares Hindernis. Ein kleiner Anfang wurde vor ca. einem Jahr nach dem Umbau der Osterstraße gemacht. Am Eingang der Tchibo-Filiale wird täglich eine Rampe ausgelegt. Darüber freuen sich auch andere Rollstuhlnutzer*innen und äußern sich lobend. Die Mitarbeiter*innen freuen sich über das positive Feedback. Also eine „Win-Win“-Situation für alle.

Die meisten Menschen haben Lieblingsorte in ihrer Wohnumgebung. Einer meiner Orte ist eine Eisdiele mit besonders leckerem Eis. Für Fußgänger ist sie nahezu stufenlos erreichbar, wären da nicht die lästigen Schwellen am Eingang, über die ich nur mühsam mit viel Hilfe hinüberkomme. Da wäre eine bunte LEGO-Rampe nützlich und würde das herein- und herauskommen erleichtern.

Es gibt viele Orte in Hamburg, die mühsam zu erreichen sind, weil eine kleine Stufe eine große Hürde ist. Oft reicht es, eine Rampe anzulegen, um vielen Kunden den Zugang zu ermöglichen. Gleichzeitig wird bei vielen Menschen das Bewusstsein für Barrierefreiheit und Zugänglichkeit für Alle geschärft.

(c) Birgit Brink in Zusammenarbeit mit Ilja Letzig-Michalski, Juni 2020

Quellen:

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